Anfrage an Heinrich Brinker zur schulischen Integration

06. September 2017  Position, Pressemitteilungen, Wahlen

 Anfrage an Heinrich Brinker zur schulischen Integration von Flüchtlingskindern

  • Wie stehen Sie zur schulischen Integration von Flüchtlingskindern?
    Wir unterstützen eine Willkommenskultur in der Schule und wollen Sprachförderklassen ausbauen und pädagogisch weiterentwickeln. Aus unserer Sicht müssen mehr Lehrkräfte eingestellt, vorbereitet und weitergebildet werden. Außerdem müssen mehr Lehrerinnen und Lehrer mit Migrationshintergrund gewonnen werden.

Wie zufrieden sind Sie mit dem Ablauf und der Form der schulischen Integration von Flüchtlingskindern?
Ich bin nicht zufrieden, da weder genügend Lehrkräfte eingestellt, noch die notwendige Ausstattung in den Schulen sichergestellt wurde. Die Lehrer*innen können nur erfolgreich sein, wenn die Klassen kleiner, die Individualförderung gewährleistet und zusätzliche Sozialpädagogen vorhanden sind. Aufgrund des Spardiktats in den Kommunen werden diese Mittel nicht ausreichend zur Verfügung gestellt.

  • Da jedes Bundesland sein eigenes Schulgesetz hat, existieren derzeit sechzehn verschiedene Konzepte, welche den Schulbesuch von Flüchtlingen in den einzelnen Bundesländern regeln. Erachten Sie dies als sinnvoll oder würde eine bundesweite Regelung in ihren Augen zu einer besseren Integration beitragen?

Die Linke tritt dafür ein, bundeseinheitliche Lösungen zu schaffen. Das „Kooperationsverbot“ zwischen den Ländern und dem Bund muss endlich abgeschafft werden. Es verbietet aktuell dem Bund, Schulen finanziell zu unterstützen. Außerdem wäre dann die Finanzierung des Bildungswesen über den Bundeshaushalt möglich.

Wenn Klassenräume sanierungsbedürftig sind und Toiletten nicht mehr aufgesucht werden können, werden Unterfinanzierung und fehlende Investitionen offensichtlich. Daher ist eine Finanzierungsoffensive für Ausbau und Sanierungen der Schulen, unter Beteiligung des Landes und des Bundes, dringend notwendig. DIE LINKE tritt als einzige Partei dafür ein, das Kooperationsverbot abzuschaffen.

Wie bewerten Sie das Konzept, welches derzeit in Baden-Württemberg umgesetzt wird?

DIE LINKE setzt sich für „Eine Schule für Alle“ ein. Die Schulentwicklung muss dies konsequent anstreben. An allen Schularten der Sekundarstufe müssen dazu alle Bildungsniveaus angeboten werden. Die Veränderung der Schülerzusammensetzung erfordert eine zieldifferenzierte Förderung an allen Schularten.

Mehr soziale Gerechtigkeit im Bildungswesen verlangt zunächst vor allem eine Stärkung der vorschulischen Bildung und der Grundschule. Die Landesregierung hat die pädagogische Stärkung der Grundschule aus dem Blick verloren, die Sprachförderung von Migrantinnen und Migranten wird vernachlässigt, die Verankerung der notwendigen Förderstunden im Pflichtbereich wird immer noch verweigert, das Ganztagsschulprogramm setzt zu sehr auf Betreuung und offene Angebote, getragen von Kräften in einem scheinbaren Ehrenamt oder in meist unsicheren Arbeitsverhältnissen, oft ohne adäquate Ausbildung.

Zudem wurde durch die Möglichkeit von kostenpflichtigen Zusatzangeboten neben einem schlecht ausgestatteten Grundangebot die Tür geöffnet zu einem verfassungswidrigen, weil kostenpflichtigen Unterricht innerhalb der Pflichtschule. Die Abschaffung der verbindlichen Grundschul-Empfehlung darf nicht rückgängig gemacht werden. Individuelle Förderpläne und Rückmeldungen sollen in der Grundschule das Notensystem ersetzen.

Der Schülerverkehr nimmt zu und die Kosten steigen – vor allem für die sozial Schwächeren, die bisher die Hauptschule/Werkrealschule besuchten. Auf sie kommen noch die Ganztagsschul-Kosten zu, so dass sich zusätzliche Belastungen von zirka 100,00 Euro pro Monat ergeben (knapp 40,00 Euro Fahrkarte, 60,00 Euro Essen und Getränke). Im Stich gelassen hat die Landesregierung die Lehrkräfte der Werkrealschulen. Es fehlt ein Personalentwicklungskonzept, das den Betroffenen Perspektiven gibt und ihre unverzichtbaren Kompetenzen nutzt. Die Realschulen beschulen zunehmend Schüler des unteren Leistungsbereichs. Der dort nun mögliche Weg zum Hauptschulabschluss darf nicht zu einer erneuten Selektion führen.

Der Mittlere Abschluss ist zum Basisabschluss geworden, der durch Förderung und variable Verweildauer möglichst von allen Schülerinnen und Schülern erreicht werden sollte.
Realschulen sollen, wenn die pädagogischen Voraussetzungen gegeben sind, auch das gymnasiale Niveau anbieten und Lehrkräfte aller Schularten einsetzen dürfen.

Die Belastung der Lehrkräfte wird zunehmend zu einem zentralen Problem der Schulentwicklung. An den Gemeinschaftsschulen wird dies besonders sichtbar. Daher fordern wir eine Arbeitszeitverkürzung zunächst an differenziert arbeitenden Schulen, eine Angleichung der Deputate und der Bezahlung.

Die Verkürzung der Lernzeit im achtjährigen Gymnasium (G8) ist weiterhin unbefriedigend und führt zu erheblichen Belastungen. Modellversuche für G9 finden großen Anklang. Wir fordern die Abschaffung von G8 zugunsten einer einheitlichen G9-Schulzeit. Angesichts der zunehmenden Verschiedenartigkeit der Schülerzusammensetzung an Gymnasien ist eine pädagogische Weiterentwicklung notwendig, die auch ein Unterrichten auf verschiedenen Niveaustufen und einen Verzicht auf Abschulung beinhaltet.

Wir setzen uns dafür ein, dass Schulen, die diesen Weg gehen, auch die dafür notwendigen Ressourcen bekommen und sich für G9 entscheiden können. Die Gymnasien müssen in die regionale Schulentwicklung einbezogen werden. Dazu ist es auch nötig, die Schulverwaltung zu vereinheitlichen.

Alle die genannten Probleme treffen natürlich besonders die Flüchtlingskinder, die über „normale“ Schule hinaus gefördert werden müssen. Umso härter trifft es sie, wenn schon der Schulalltag für die deutsche Kinder zum Problem wird.