Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

06. April 2013  Allgemein

Haydt116wie Sie alle wissen, ereignete sich am 16.03.13 ein trauriges Unglück in der Asylbewerberunterkunft in Kirchheim/Teck. Ein heftiger Streit führte dazu, dass ein Bewohner von einem anderen erstochen wurde.

 

Welche Reaktion sollte eine solche menschliche Tragödie auslösen? Zu allererst doch: Trauer um das Opfer, Beistand für die Hinterbliebenen und schließlich die juristische Aufarbeitung der Schuld.

Vielleicht wäre es auch angebracht, darüber nachzudenken, ob die Art der Unterbringung und die Perspektivlosigkeit vieler Asylsuchenden, die teils Monate und Jahre in unwürdigen Umständen leben, eventuell einen Anteil an der Aggression und den Spannungen zwischen Bewohnern der Unterkünfte haben.

Wir sollten zudem bedenken, dass die Bewohner einer solchen Unterkunft nicht freiwillig dort sind. Viele mussten ihre Heimat verlassen weil dort die Einhaltung von Grund- und Menschenrechten nicht gewährleistet war. Flüchtlinge erreichen unser Land nicht selten in einem hoch traumatisierten Zustand, der das Ergebnis der Zustände in ihrer Heimat und der Erlebnisse auf der Flucht ist.

Flüchtlinge sind keine besseren und keine schlechteren Menschen als andere. Wenn sie straffällig werden, dann müssen sie dafür die Verantwortung übernehmen – so wie jeder andere auch. Flüchtlinge sind jedoch Menschen in besonders schwierigen Lebenslagen. Deswegen haben sie die Hilfe und den Schutz unserer Gesellschaft verdient.

 

Absolut unangemessen ist es, wenn nun rechtsextreme Gruppierungen den Tod eines Asylbewerbers nutzen, um Ängste und Vorurteile zu schüren und gegen „Ausländer“ zu hetzen. Kriminalität ist nicht angeboren, sie ist nicht abhängig von Nationalität, von Ethnie oder Religion. Amtliche Kriminalstatistiken spiegeln lediglich die Arbeit der Strafverfolgungsbehörden, jedoch nicht die Wirklichkeit wieder.  Da ich hier nicht in die Details gehen kann, empfehle ich allen, die der rechten Hetze etwas entgegen setzen wollen, die Lektüre des aufschlussreichen Dossiers der Bundeszentrale für politische Bildung zur sogenannten „Ausländerkriminalität“: „Statistische Daten und soziale Wirklichkeit.“

Fest steht, wir leben in einem Land in dem seit 1990 mindestens 150 Menschen durch rechtsextreme Mörder zu Tode gekommen sind.  Dennoch tauchen in den amtlichen Statistiken nur 63 auf. Die NSU-Mörderbande konnte, möglicherweise mit Unterstützung deutscher Behörden,  jahrelang ungestört ihr Unwesen treiben. Gleichzeitig werden engagierte Antifaschisten wegen ihres Widerstands gegen Naziaufmärsche zu Gefängnisstrafen verurteilt.

Als LINKE wehren wir uns dagegen, wenn einzelne Bevölkerungsgruppen zu Sündenböcken erklärt und diffamiert werden. DIE LINKE ist solidarisch mit denjenigen die sich gegen Faschismus und Rassismus engagieren.

Wir wollen das Asylrecht wiederherstellen und Flüchtlingen ein menschenwürdiges und diskriminierungsfreies Leben ermöglichen. Migrantinnen und Migranten sind ein selbstverständlicher und bereichernder Bestandteil unserer Gesellschaft. Wir fordern Solidarität und Respekt.

Kämpfen Sie gemeinsam mit uns dafür, dass die Verpflichtung, die unser Grundgesetz aufstellt, endlich Wirklichkeit wird: „Die Würde des Menschen ist unantastbar!“

 

Es grüßt Sie

 

Ihre Claudia Haydt

 

 

Bundestagskandidatin
Wahlkreis
Kirchheim-Nürtingen

 

http://linke-bw.de/wk262/


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